Außerdem findet ihr unter: rdl.de ein Radio Interview zur Demonstration.

-Folgendes Interview wurde am 25.09. mit Aktivist*in Kim von der Anarchistischen Gruppe Köln geführt-

//Redaktion: Am 6.10.12 soll es in Köln um 15 Uhr eine Demonstration geben, um den aktuellen „Flüchtlingstreik“ zu unterstützen.

Ihr und andere Gruppen habt euch dazu entschieden euch mit den geflüchteten Menschen und ihren Kämpfen zu solidarisieren. Was ist eure Motivation?/

*Kim*: Wir haben uns entschlossen die Proteste zu unterstützen, weil einige geflüchtete Menschen zur Zeit die gesellschaftliche Isolation durch abgeschottete Flüchtlingsheime durchbrochen haben und vor Monaten schon begannen ihre Forderungen auf die Straße zu tragen. Auslöser dafür war ein in den Suizid gedrängter Geflüchteter aus dem Iran in einem Flüchtlingsheim in Würzburg. Dieser hielt die unwürdigen Zustände in den Heimen und die elendigen Bedingungen in Deutschland unter denen die Menschen ohne eine sichere Aufenthaltserlaubnis erleiden müssen nicht mehr aus. Die darauf folgenden selbstorganisierten Proteste enthielten von Anfang an folgende Forderungen: Sofortiger Stopp aller Abschiebungen, keine Lagerunterbringung, Aufhebung der Residenzpflicht, schnellere Bearbeitung der Asylanträge, denn Asyl ist ein Menschenrecht und kein Privileg!

Die Menschen in den Heimen werden gesellschaftlich total isoliert und sind zudem dem vorherrschenden Alltagsrassismus ausgeliefert. Eine bundesweite Protestcamp-Welle der Geflüchteten brach in immer mehr Städten aus. Da wir als polit. Aktivist*innen aus Interesse ihre Kämpfe verfolgt hatten, haben wir uns entschlossen selbst zu einem ihrer Protestcamps zu fahren. Das nächstgelegene war Düsseldorf. Dort traten wir mit den geflüchteten Menschen in Kontakt und kamen der Bitte nach in Köln selbst Aktionen zu organisieren.

//Redaktion: Was genau ist am 6.10.12 in Köln geplant? Gab es bereits solidarische Aktionen?/

*Kim*: Am 6. Oktober wollen wir ab 15 Uhr eine Demonstration durch Köln-Kalk in Solidarität mit den Flüchtlingstreik machen. Die Demo soll einen bunten, offenen Charakter haben und ansprechend für Interessierte sein. An diesem Tag wird es aus ganzer Solidarität eine vegane Küche für Alle, einen Umsonst-Laden und Austauch untereinander geben. Dazu werden wir laut und entschlossen die Forderungen der Geflüchteten in die Öffentlichkeit tragen. Als Ort haben wir bewusst Köln-Kalk gewählt, da dieser Stadtteil täglich von rassistischen Kontrollen durch die Polizei betroffen ist. Deshalb ist es wichtig hier gegen Rassismus in Institution und Uniform vorzugehen.

Im Vorfeld gab es bereits im Rahmen der Info-Bustour des Flüchtlingstreiks eine Diskussionsveranstaltung im Autonomen Zentrum Köln, dabei berichteten Aktivist*innen des Flüchtlingstreiks von der aktuellen Lage ihres Kampfes. Weil diese Diskussionsveranstaltung sich exziplit an Menschen mit Fluchterfahrung richtete, gab es bereits einen Tag zuvor eine Info-Veranstaltung für Interessierte über die Situation von geflüchteten Menschen in Deutschland, sowie über deren Gründe für Flucht.

//Redaktion: Der „Flüchtlingstreik“ befindet sich derzeit auf einem Fussmarsch nach Berlin, um die Forderungen in die Hauptstadt zu tragen. Was sind ihre Forderungen und weshalb haben sie sich zu dieser Aktion entschlossen?/

*Kim*: Immer noch sind die Forderungen wie schon erwähnt dieselben: Keine Abschiebungen, keine Residenzpflicht, keine Isolation… Ich möchte hier nicht für die Protestierenden Menschen sprechen, kann mir jedoch vorstellen, dass der Entschluss kam, weil ihren Forderungen nach dem Tod in Würzburg immer noch nicht nachgegangen wird, trotz offenem Protest auf der Straße durch verschiedene Camps in mehreren Städten und einem Hungerstreik. Nun soll der Protest zu Fuss die Hauptstadt erreichen um ihm besonderen Nachdruck zu verleihen. Damit setzten sich die Streikende*n bewusst über die Residenzpflicht, welche sie tagtäglich in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkt hinweg.

Die Tatsache, dass der Staat aktiv wegschaut und Neo-Nazis…äh…Mitglieder der NPD vor ca. 1 Woche eine Kundgebung der Geflüchteten in Erfurt provozierten, zeigt, wie sehr die praktische Solidarität notwendig ist. Wann, wenn nicht jetzt!

//Redaktion: Und wie könnte deiner Meinung nach solch eine praktische Solidarität aussehen?/

*Kim:*Erstmal natürlich am *6.10.12 um 15 Uhr nach Köln* zur Demo auf den *Ottmar-Pohl-Platz* kommen. Da gibt es die Möglichkeit das Anliegen des „Flüchtlingstreiks“ publik zu machen und Raum zur Vernetzung für weitere Aktivitäten. Außerdem ist es immer wichtig seinem individuellen Umfeld von diesem Kampf zu erzählen, denn medial und in der bürgerlichen Öffentlichkeit findet er bis auf lokaler Presse, wenig Anklang. Selbst in der „linken“ Gegenöffentlichkeit scheint der existenzielle Kampf der Geflüchteten bis auf wenige antirassistische Initiativen von geringem Interesse zu sein. Wir wollen dem am 6. Oktober in Köln entgegenwirken!

//Redaktion: Habt ihr für die Demo eine Kontaktadresse und eine Mobiseite? /

*Kim*: Alle Ankündigungen rund um die Demo, sowie den Aufruf gibt es unter: http://agkoeln.blogsport.de/fluechtlingsstreik-demo-06-10-12/ Informationen zum „Flüchtlingstreik“ und dem Protestmarsch findet ihr auf http://refugeetentaction.net

//Redaktion: Super. Danke für das Interview und wir sehen uns dann am 06.10.12 auf der Straße! /